25.2.2026

Interview mit Marina F. - Absolventin des Kollegs für erneuerbare Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit

„Am Ende steht man dann vor einer funktionierenden Anlage und freut sich.“

 

Marina F., Absolventin des Kollegs für Erneuerbare Energien, Umwelt und Nachhaltigkeit, ist seit ein paar Jahren in Vorarlberg erfolgreich im Kraftwerksbau tätig und erzählt in ihrem Interview über ihre spannende Arbeit und wie es ihr als Frau in der Technik geht.

 

Warum hast du dich für einen technischen Studiengang entschieden?
Als junge Frau habe ich den Tipp erhalten, dass man als Ingenieurin viele Freiheiten und gute Bezahlung hat und sich einem viele Möglichkeiten bieten – dem ist auch so! Ich arbeite im Bereich Erneuerbare Energien und kann so direkt einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.


Was begeistert dich an deinem Job?
Als Projektleiterin im Kraftwerksbau (Rost- und Wirbelschichten, KWK-Kopplung, Abhitzekessel,…) ist jedes Projekt anders – andere Kunden, Länder, Lieferumfänge. Es gibt keine langweilige Routine und es ist irrsinnig spannend immer wieder neue Technologien kennenzulernen. Meine Projekte laufen über 2-3 Jahre und jede Projektphase hat eigene Herausforderungen – am Ende steht man dann vor einer funktionierenden Anlage und freut sich.


Was ist für dich das Besondere als Frau in der Technik?
Ich bin stolz darauf, mich in einer von Männern dominierten Brache behaupten zu können. Und zwar nicht als „Quotenfrau“ sondern als fähige Technikerin. Ich brauche keine große Klappe, um mich durchzusetzen. Ich lasse mein Wissen und Erfahrung für mich sprechen. Das kommt aber nicht von heute auf morgen, man muss sich selbst Zeit geben sich zu entwickeln. Es ist auch ok, nicht immer alles zu wissen.
Zudem will ich erwähnen, dass ich sehr viel positiven Rückenwind durch die Männer in der Branche erhalten habe.


Warum glaubst du sollte es mehr Frauen in der Technik geben?
Frauen sind hervorragende Technikerinnen. Ich sehe es bei uns in der Firma, wir sind leider nicht viele Frauen, aber es sind alles super Ingenieurinnen. Ich denke viele Frauen haben zu viel Respekt davor, in technischen Bereichen zu arbeiten. Es geht nicht darum, wahnwitzig mit Zahlen zu jonglieren – in der Technik zu arbeiten bedeutet genau zu planen, mitzudenken und organisiert und systematisch zu arbeiten. Dinge die Frauen tendenziell ohnehin gut können.


Was ich jungen Mädchen noch sagen möchte:
Interesse entwickelt sich mit der Zeit, es muss nicht von Anfang an da sein. Ich hätte nie gedacht, dass ich Kraftwerke und Anlagenbau eines Tages interessant finde. Das lag daran, dass ich keinen Bezug dazu hatte. Wenn man sich mit etwas befasst und es mehr und mehr versteht, kommt auch das Interesse und die Faszination. Man sollte einfach seiner Neugier folgen.


Was sagst du zum Kolleg für Erneuerbare Energien, Umwelt und Nachhaltigkeit?
Ich bin wahnsinnig dankbar für die breit gefächerte Ausbildung, die ich erhalten habe. Man könnte meinen, das Kolleg ist exakt auf meinen jetzigen Job zugeschnitten. Mein Hintergrundwissen war bei der Einarbeitung ein riesiger Vorteil gegenüber Kollegen, die rein aus der Elektrotechnik kommen. Auch jetzt habe ich einen tieferen Zugang zur Verfahrenstechnik von Biomasseanlagen und Maschinenbau als andere.

Zudem ist es mir wichtig, etwas für die Umwelt zu tun und einen Sinn hinter meiner Arbeit zu sehen. Bei meinem letzten Projekt errichteten wir eine Wirbelschicht-Anlage für eine Papierfabrik. In der Anlage werden die Reststoffe aus der Papierproduktion thermisch verwertet und es wird Dampf erzeugt. Dadurch konnten ein massiver Braunkohle-Kessel ersetzt werden und die fossilen CO2 Emissionen dieses Standorts wurden halbiert.


Was hat dir an der Kolleg-Ausbildung gefallen?
Generell war es spannend mit einem sehr bunten Publikum in der Klasse zu sein und Lehrer*innen zu haben, die direkt aus der Praxis kommen. Ich fand es auch super, im Sommer ein Praktikum zu machen. Man probiert Sachen aus, die man so nicht tun würde – zum Beispiel einen Sommer lang PV-Anlagen zu montieren.